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Autobiografie TIEFDRUCKGEBIETE

von Petra Thomsen

2002 begann Petra Thomsen ihre Autobiografie TIEFDRUCKGEBIETE aufzuschreiben, die 2010 veröffentlicht werden soll.

Petra Thomsen wurde als Säugling zur Adoption freigegeben und wuchs in dem Wissen auf, nicht das leibliche Kind ihrer Eltern zu sein.

Sie erzählt von dem Trauma, dass sie durch die Trennung von der leiblichen Mutter erlitt und welche dramatischen Folgen das für ihr Leben hatte.

Gefühle tiefer Trauer und Ängste begleiteten sie schon als Kind. Schon immer empfand sie sich als "seltsam anders".

In Ihrer Jugend spitzten sich ihre Probleme zu. Sie konsumierte Alkohol und Drogen. Häufig ließ sie sich mit Menschen ein, die ihr nicht gut taten.

Gewalttätigkeiten, selbstverletzendes Verhalten und Depressionen waren die Folge.
1999 begann für sie ein anstrengender Weg mit Psychotherapien und mehreren Klinikaufenthalten.

Der Wunsch, ihre leibliche Mutter und die Geschwister kennen zu lernen wurde immer stärker und so machte sich auf die Suche nach ihnen.

Immer wieder kam es zu Rückschlägen, die ihr die Kraft zu leben raubten. 2007 bekam sie die Diagnose Borderline Syndrom, doch sie fand einen Weg, mit ihrer Erkrankung und ihrer Geschichte zu leben.

"Wer nicht mehr kämpfen muss, kann seine Rüstung ausziehen und sich in ein Gewand der Ruhe und Gelassenheit hüllen."


(Leseprobe 1)

Mein Blick schweifte über das satte Grün der Wiesen. Ich lauschte den Insekten, die geschäftig um mich herum summten und dem Fluss, an dessen Ufer ich saß. Das hohe Gras neigte sich geschmeidig im Wind und es sah so aus, als wenn es sich vor dem Fluss und den Bäumen verbeugte. Die Bäume antworteten mit einem sanften Rascheln und der Fluss plätscherte gemächlich, fast lethargisch vor sich hin. Alles war friedlich. Ich ließ mich ins hohe Gras zurückfallen, um in die grenzenlose Weite des Himmels zu schauen. Er war so klar, dass es fast schon in den Augen schmerzte. Ich drehte mich langsam auf den Bauch und beobachtete eine Hummel, die sich vor mir mit sattem Brummen auf einer Distel niedergelassen hatte, um emsig Pollen zu sammeln. Jede schnelle Bewegung erschien mir hier deplaziert. Ich schloss die Augen und ließ mich von dem Frieden, der hier herrschte zudecken und atmete tief diese beruhigende Mischung aus Erde und Gräsern ein. Die Natur hatte ihren eigenen Rhythmus, der mich abtauchen ließ. Diese Art der Stille war sehr angenehm. Mit allen Sinnen saugte ich soviel wie möglich von dieser Idylle in mich auf. Kurze Momente tiefer Entspannung und ohne bohrende Fragen, ohne Wenn und Aber. Pure Ruhe aus der ich meine Kraft schöpfte, um weiter zu kämpfen gegen...

Ein dumpfes Donnern ließ mich zusammenzucken. Blitzschnell öffnete ich meine Augen, drehte mich auf den Rücken und sorgenvoll schaute ich in den Himmel. Dunkle, bedrohlich aussehende Wolkenberge krochen näher in meine Richtung und die Luft war spannungsgeladen. Immer noch nahm ich die Stille wahr, die um mich herum herrschte, aber sie war jetzt von einer anderen Art. Kein Windzug, kein Rascheln, kein Summen von Insekten war mehr zu hören. Die Natur hielt die Luft an und verharrte geduckt in Wartestellung auf die Entladung. Diese Art der Stille gefiel mir nicht. Sie hatte etwas Bedrohliches, Unberechenbares.

Ruckartig setzte ich mich auf und mit den dunklen Wolken kamen auch wieder düstere Gedanken. Wann würde ich Ruhe finden? Wann hörten die Gedanken auf zu kreisen? Diese immer wiederkehrende Marter, die mich an manchen Tagen so abgrundtief verzweifeln ließ. Was wäre wenn...? Vergangenes war nicht mehr abzuändern, aber ich kam nicht drum herum, mich das zu fragen. Was wäre gewesen, wenn ich „Nein“ gesagt hätte, als ich immer wieder aus Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Gelächter und Alleinsein „Ja“ gesagt hatte?

Es liegt in den Händen eines jeden selbst, über sich zu bestimmen, aber was ist, wenn aus Gründen zu denen man nicht selbst beigetragen hat, jemand außerstande ist, sein Leben in gesunde Bahnen zu lenken?

Das Donnern wurde lauter und ich schaute noch einmal kurz in den Fluss, der jetzt eine Nuance dunkler wirkte. Dann stand ich auf, drehte mich um und beeilte mich nach Hause zu kommen, bevor das Gewitter zum Grande Finale ausholte und es gleich wie aus Kübeln zu Schütten begann.

[weiter]


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